Schritte bei der Krankenkasse einlösen

Viele gesetzliche Krankenkassen belohnen gesundheitsbewusstes Verhalten über ein freiwilliges Bonusprogramm – und einige rechnen dabei auch regelmäßige Bewegung an, nachgewiesen über eine App oder einen Tracker. Ein Automatismus ist das nicht: Ob Schritte zählen, wie sie nachgewiesen werden und was am Ende dabei herauskommt, legt jede Kasse selbst fest und ändert es regelmäßig.

Zuletzt geprüft: August 2026

Bitte beachten: Bonusprogramme werden jährlich überarbeitet, unterscheiden sich von Kasse zu Kasse deutlich und sind bei regional gegliederten Kassen zusätzlich vom Bundesland abhängig. Dieser Artikel beschreibt deshalb den typischen Ablauf, nicht die Bedingungen einer bestimmten Kasse. Verbindlich sind ausschließlich die aktuellen Bonusbedingungen Ihrer eigenen Krankenkasse.

Die Grundlage: freiwillig, nicht garantiert

Rechtlich stützen sich diese Angebote auf § 65a des Fünften Sozialgesetzbuchs. Die Vorschrift erlaubt den Kassen, Versicherten einen Bonus zu gewähren, wenn sie Vorsorgeangebote nutzen oder sich nachweislich um ihre Gesundheit bemühen. Sie verpflichtet die Kassen aber zu nichts. Deshalb gibt es Häuser mit umfangreichem, digital ausgewertetem Programm, Häuser mit klassischem Papierheft und Kassen, die gar keinen Bonus anbieten. Private Versicherer arbeiten ohnehin nach eigenen Tarifbedingungen.

Ebenso unterschiedlich fällt die Belohnung aus: mal eine Geldprämie, mal ein Sachbonus, mal ein Zuschuss zu Gesundheitsleistungen, die die Kasse sonst nicht bezahlt. Konkrete Beträge oder Punktetabellen zu nennen wäre unseriös – sie gelten oft nur ein Jahr. Wie eine Prämie steuerlich behandelt wird, hängt zudem von ihrer Ausgestaltung ab; danach fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Kasse.

So läuft die Anmeldung typischerweise ab

  1. Programm heraussuchen: Auf der Website Ihrer Kasse nach „Bonusprogramm“ suchen und die aktuellen Teilnahmebedingungen als PDF öffnen. Dort steht, ob Bewegung überhaupt anerkannt wird.
  2. Digitalen Zugang freischalten: Für die App-gestützte Teilnahme ist fast immer ein verifiziertes Online-Konto nötig. Die Identitätsprüfung läuft je nach Kasse über einen Postbrief, den Ausweis mit Online-Funktion oder ein Video-Verfahren und dauert einige Tage.
  3. Teilnahme aktivieren und einwilligen: Sie bestätigen die Bedingungen und willigen ausdrücklich in die Verarbeitung der Nachweise ein. Ohne diese Einwilligung läuft nichts – sie ist aber jederzeit widerrufbar.
  4. Datenquelle verbinden: Wird Bewegung ausgewertet, koppeln Sie die Kassen-App mit Apple Health, Health Connect oder der App Ihres Trackers und erlauben den Zugriff auf Schritte oder Aktivminuten.
  5. Weitere Nachweise sammeln: Bescheinigungen für Vorsorge, Kurse oder Vereinsmitgliedschaft laden Sie als Foto hoch oder reichen sie per Formular ein.
  6. Bonusjahr abschließen: Am Ende des Zeitraums beantragen Sie die Auszahlung oder wählen eine Prämie. Achten Sie auf die Einreichungsfrist – sie ist der häufigste Grund für leer ausgehende Teilnehmer.

Welche Nachweise üblicherweise zählen

Typische Nachweisarten in Bonusprogrammen – Ausgestaltung je nach Kasse verschieden
NachweisÜbliche FormWorauf zu achten ist
Vorsorge und FrüherkennungBestätigung der Praxis, oft als Formular der Kassegilt meist nur im laufenden Bonusjahr
Bewegung im AlltagSchritte oder Aktivminuten aus einer verbundenen Appwird nicht von allen Kassen anerkannt
Kurse und PräventionsangeboteTeilnahmebescheinigung des Anbietershäufig nur bei zertifizierten Kursen
Mitgliedschaft im Sportverein oder StudioBescheinigung über eine MindestdauerZeitraum muss abgedeckt sein
Impfungen, Zahnvorsorge, NichtraucherstatusEintrag im Pass oder Bestätigungje nach Katalog unterschiedlich gewichtet

Bewegung ist also selten der einzige und fast nie der schnellste Weg zum Bonus – aber der einzige, den Sie täglich selbst in der Hand haben.

Welche Geräte und Apps in Frage kommen

Kassen-Apps lesen Bewegungsdaten in der Regel nicht selbst, sondern übernehmen sie aus der Gesundheitszentrale des Systems. Damit funktioniert praktisch jedes Gerät, das dorthin schreibt: das Smartphone selbst, ein Fitness-Armband oder eine Uhr mit passender Hersteller-App. Welche Modelle dafür gut geeignet sind, zeigt unsere Bestenliste; wer nur das Handy nutzen will, findet unter Schrittzähler-App die kostenlosen Bordmittel. Ein einfacher Clip-Zähler ohne Funk lässt sich dagegen nicht anbinden – er bleibt ein Motivationsgerät für Sie persönlich.

Wie die beiden bekanntesten Programme im Detail aufgebaut sind, beschreiben die Artikel zum TK-Bonusprogramm und zum AOK-Bonusprogramm.

Was Sie vorher abwägen sollten

Ein Bonusprogramm ist ein Tausch: Sie geben Auskunft über Ihr Verhalten und erhalten dafür eine Gegenleistung. Gesundheitsdaten gehören zu den besonders geschützten Kategorien der Datenschutz-Grundverordnung, die Verarbeitung braucht Ihre Einwilligung, und Sie dürfen jederzeit Auskunft und Löschung verlangen. Prüfen Sie vor dem Verbinden, welche Werte die App tatsächlich abruft – oft ist es mehr als die reine Schrittzahl. Die Hintergründe fasst der Ratgeber Schrittzähler und Datenschutz zusammen. Wer nur Belohnung ohne Kassenbezug sucht, findet unter Apps mit Belohnung die privaten Alternativen.

Und ein letzter Hinweis: Ein Bonusprogramm ersetzt keine ärztliche Begleitung. Wenn Sie nach längerer Pause deutlich mehr gehen möchten, Vorerkrankungen haben oder Beschwerden auftreten, besprechen Sie das Vorhaben vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Häufige Fragen

Zählt jede Krankenkasse Schritte als Bonusleistung an?

Nein. Bonusprogramme sind freiwillige Leistungen, und jede Kasse legt ihren Katalog selbst fest. Manche werten Schritte oder Aktivminuten direkt aus einer App aus, andere erkennen nur klassische Nachweise wie Vorsorgeuntersuchungen oder Kursteilnahmen an. Maßgeblich sind allein die aktuellen Bonusbedingungen Ihrer eigenen Kasse.

Muss ich meine Gesundheitsdaten an die Kasse übertragen?

Die Teilnahme ist freiwillig und setzt Ihre ausdrückliche Einwilligung voraus. Sie können sie widerrufen. Wer keine Bewegungsdaten weitergeben möchte, sammelt Bonuspunkte in vielen Programmen auch ohne App über Papier- oder Formularnachweise.

Wird ein einfacher Schrittzähler ohne App anerkannt?

Meist nicht direkt, weil die Programme eine digitale Übermittlung oder eine bestätigte Teilnahme erwarten. Ein Clip-Zähler ohne Funk eignet sich hervorragend für die eigene Motivation, für den Bonusnachweis brauchen Sie in der Regel eine App oder ein Formular.