Schrittzähler-Apps mit Belohnung
Es gibt sie tatsächlich: Apps, die gelaufene Schritte in Gutscheine, kleine Cashback-Beträge oder Spenden verwandeln. Am verlässlichsten sind dabei die Bonusprogramme der Krankenkassen – bei werbefinanzierten Punkte-Apps zahlen Sie dagegen meist mit Ihren Bewegungsdaten. Ein Nebenverdienst entsteht in keinem der Fälle.
Drei Arten von Belohnung
| Modell | Typische Anbieter | Was Sie bekommen | Der Haken |
|---|---|---|---|
| Kassen-Bonus | gesetzliche Krankenkassen | Bonuspunkte, Geldprämie oder Sachprämie | Nachweis nötig, Regeln je Kasse verschieden |
| Punkte-Apps | Sweatcoin, WeWard und ähnliche | Gutscheine, Angebote, kleine Auszahlungen | werbefinanziert, viele Datenfreigaben |
| Spenden-Apps | Charity Miles und Vergleichbare | Sponsoren spenden für Ihre Strecke | Sie selbst erhalten nichts |
| Versicherungs-Programme | private Anbieter mit Vitality-Tarifen | Rabatte, Gutscheine bei Partnern | an einen Vertrag gebunden |
Wie viel am Ende herauskommt, hängt von Aktionen, Region und Partnern ab und ändert sich laufend. Seriöse Anbieter versprechen deshalb auch keine festen Beträge – wer mit konkreten Monatssummen wirbt, sollte Sie misstrauisch machen.
Sicher einrichten – Schritt für Schritt
- Anbieter prüfen. Öffnen Sie vor der Anmeldung das Impressum in der App oder auf der Website. Fehlt eine ladungsfähige Anschrift oder sitzt der Betreiber außerhalb der EU, gelten andere Datenschutzregeln als hierzulande.
- Store-Angaben lesen. Im App Store unter „App-Datenschutz“, im Play Store unter „Datensicherheit“ steht, welche Daten erhoben und ob sie mit Dritten geteilt werden. Genau hier zeigt sich das Geschäftsmodell.
- Mit einer separaten Mailadresse anmelden. Belohnungsprogramme verschicken naturgemäß viel Werbung. Eine Zweitadresse hält Ihr Hauptpostfach frei.
- Berechtigungen knapp halten. Fürs Zählen genügt „Körperliche Aktivität“. Standortzugriff setzen Sie – wenn überhaupt – auf „Beim Verwenden der App“; Kontakte und Fotos braucht kein Schrittzähler.
- Gesundheitsdaten gezielt freigeben. Auf dem iPhone steuern Sie das in Health → Profilbild → „Apps & Dienste“, auf Android in Health Connect (je nach Version unter „Einstellungen → Sicherheit & Datenschutz → Weitere Datenschutzeinstellungen → Health Connect“). Geben Sie nur Schritte frei, nicht Puls, Schlaf oder Gewicht.
- Prämienbedingungen lesen. Achten Sie auf Mindestpunktzahl bis zur Auszahlung, Verfallsfristen und darauf, ob Punkte bei längerer Inaktivität verfallen.
- Nach vier Wochen Bilanz ziehen. Passen Aufwand, Werbemenge und Ertrag nicht zusammen, löschen Sie die App und lassen Sie – wichtig – auch Ihr Konto löschen.
Der solideste Weg: das Bonusprogramm Ihrer Krankenkasse
Fast alle gesetzlichen Kassen belohnen nachgewiesene Bewegung im Rahmen ihres Bonusprogramms. Der Vorteil: Der Anbieter ist bekannt, die Datenverarbeitung unterliegt klaren Regeln, und die Prämie fällt in der Regel deutlicher aus als bei Punkte-Apps. Meist genügt es, die Schrittdaten aus Apple Health, Google Fit oder Samsung Health in der Kassen-App freizugeben. Einen Überblick über die Programme gibt der Ratgeber Schrittzähler und Krankenkasse; die Besonderheiten der beiden größten Anbieter stehen unter TK-Bonusprogramm und AOK-Bonusprogramm. Prüfen Sie vor der Freigabe, welche Daten Ihre Kasse tatsächlich erhält – der Umfang unterscheidet sich je nach Programm erheblich.
Wo die Datenschutz-Haken liegen
Bewegungsdaten sind aussagekräftig: Sie verraten Tagesrhythmus, Arbeitswege und Urlaubszeiten. Punkte-Apps finanzieren ihre Prämien über Werbung und Partnerangebote, und dafür brauchen sie genau diese Informationen. Drei Punkte sollten Sie deshalb bewusst entscheiden: die Weitergabe an Dritte (oft in einem Häkchen beim ersten Start versteckt), den dauerhaften Standortzugriff und die Kopplung mit sozialen Netzwerken. Wie datensparsames Zählen ganz ohne Konto funktioniert, zeigt der Ratgeber Schrittzähler-App ohne Anmeldung. Alles Weitere zum Thema haben wir unter Schrittzähler und Datenschutz zusammengefasst.
Grenzen und Genauigkeit
Belohnungs-Apps zählen dieselben Schritte wie jede andere App – und haben dieselbe Schwäche: Was Sie ohne Handy zurücklegen, zählt nicht. Bei vielen Menschen fehlen so 2.000 bis 4.000 Schritte täglich, was gerade bei Prämienzielen ärgerlich ist. Manche Anbieter setzen zusätzlich auf Standortdaten, um Manipulation zu erkennen – das kostet spürbar Akku und ist ein weiterer Grund, den Standortzugriff einzuschränken. Wie stark Handy, Armband und Clip auseinanderliegen, ordnet die Genauigkeit von Schrittzähler-Apps ein.
Wer sein Ziel zuverlässig erreichen möchte, fährt mit einem Gerät am Körper besser: Ein Band am Handgelenk zählt auch die Wege, bei denen das Telefon liegen bleibt, und überträgt die Werte anschließend in die App. Passende Modelle finden Sie in unserer Bestenliste.
Häufige Fragen
Kann man mit Schritte-Apps Geld verdienen?
Ein Nebenverdienst entsteht dabei nicht. Punkte-Apps schütten kleine Gutscheine oder Cashback-Beträge aus, deren Höhe von Angeboten, Region und Aktionen abhängt und die sich jederzeit ändern können. Betrachten Sie die Prämie als Motivationshilfe, nicht als Einnahmequelle.
Welche Belohnung lohnt sich am ehesten?
In der Regel das Bonusprogramm der eigenen Krankenkasse. Der Anbieter ist bekannt, die Datenverarbeitung ist geregelt, und die Prämie fällt meist höher aus als bei werbefinanzierten Punkte-Apps. Die Bedingungen unterscheiden sich allerdings von Kasse zu Kasse.
Womit bezahlen kostenlose Belohnungs-Apps ihre Prämien?
Mit Werbung und mit Ihren Daten. Bewegungsprofile, Standortverläufe und Kaufinteressen sind für Werbepartner wertvoll. Lesen Sie deshalb vor der Anmeldung, welche Daten an Dritte weitergegeben werden – und erteilen Sie nur die Berechtigungen, die die App wirklich braucht.